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Traditionelle Hochzeit in Thailand

Heiraten in Thailand

Wie läuft eine traditionelle Hochzeit in Thailand ab? Welche Schritte sind dabei zu beachten? Welche offiziellen Dinge muss man befolgen?

Alles fängt an mit dem Heiratsantrag

Ein klassischer Heiratsantrag in Thailand hat nichts mit dem zu tun, wie wir einen solchen romantischen Moment verstehen. Es ist nach wie vor durchaus üblich, dass Ehen arrangiert werden – insbesondere in den besseren Kreisen auf dem Lande. Auch wenn es sich nicht um eine arrangierte Ehe handelt, sieht die Tradition vor, dass zunächst der Bräutigam mit seinen Eltern über die Braut spricht. Wenn diese einverstanden sind, gehen die Eltern (oder auch eine sehr enger Freund der Familie) zu den Eltern der Braut, um über die Mitgift zu verhandeln.

In neueren Zeiten jedoch verliert diese Tradition immer mehr an Bedeutung und junge Thais „machen ihr eigenes Ding“. Ganz nach westlichem Vorbild knien die Männer vor ihrer Angebeteten und bitten um deren Hand. Erst danach werden die Eltern eingeschaltet und informiert.

Das Aushandeln der Mitgift

In unseren Breiten ist diese Tradition praktisch komplett verloren gegangen und hat sogar einen meist negativen Charakter. In Thailand hingegen ist es eher eine Ehre und eine positiv behaftete Verpflichtung, den Eltern der Braut dadurch seinen Dank für die Erziehung der Braut auszudrücken.

Ursprünglich sollte die Mitgift zeigen, dass die Braut nicht unter ihrem Status heiratet und der Mann sich eine eigene Familie leisten kann. Ein armer Mann könnte sich schließlich keine angemessene Mitgift leisten. Die Höhe der Mitgift wird meist unter den Eltern des Paares ausgemacht, aber auch zwischen dem besten Freund des Bräutigams und den Brauteltern. Bei einer Zweitheirat (Tod des ersten Ehepartners oder Scheidung) ist eine Mitgift hingegen unüblich.

Immer öfter behalten heutzutage die Brauteltern die Mitgift nicht für sich, sondern geben es dem Brautpaar zurück bzw. nutzen das Geld zum Bezahlen der Feierlichkeiten.

Die Wahl des Hochzeitstages

Bei der Wahl des Hochzeitstages wird ein Mönch zu Rate gezogen, der sich insbesondere mit Astrologie auskennt und ein passendes Datum auswählt, welches genau für diese Verbindung am idealsten ist. Besonders beliebt und glücksbringend ist der Monat August. Thais glauben fest daran, dass es besonders gute Tage gibt, aber auch ungünstige Daten.

Einladungen zur Hochzeit

Am Tag der Hochzeit werden viele unterschiedliche Zeremonien begangen, zu denen durchaus jeweils ein unterschiedlicher Gästekreis eingeladen werden kann. Jeder Gast erhält also möglicherweise eine andere Einladung. Man darf aber ruhig mehrere Zeremonien auf einer Einladungskarte vermerken. Oft werden die Einladungen dann von den Mitgliedern beiden Familien persönlich bei den Gästen vorbeigebracht.

Etwas Gutes tun

Nicht nur bei Hochzeiten, sondern vor allen wichtigen Ereignissen, werden Thais „etwas Gutes tun“ wollen, um Glück und Zufriedenheit in ihr Leben zu bringen. Dies kann auf sehr unterschiedliche Weise passieren. Man kann gefangene Tiere wieder befreien (besonders beliebt sind hier Fische und Vögel), man kann in einem Tempel beten und eine Spende hinterlassen oder aber man lädt Mönche in sein Haus ein (im Idealfall lädt man neun Mönche ein, da dies eine Glückszahl ist) , die das Brautpaar und das Heim segnen. Dafür werden die Mönche mit Essen und anderen Spenden belohnt. Diese Tradition kann entweder am Tag der Hochzeit geschehen oder durchaus auch an einem anderen Tag. Sollte es nicht am Hochzeitstag gemacht werden, geht das Brautpaar jedoch dann an diesem Tag früh morgens erneut in den Tempel, um für den Tag zu beten.

Die Verlobungsfeierlichkeiten

Leider verlieren auch hier alte Traditionen immer mehr an Bedeutung. In ländlichen Gebieten jedoch findet man immer noch klassische Strukturen. Der Bräutigam geht demnach zusammen mit seiner Familie und Freunden per Fußmarsch zum Haus der Braut. Dabei wird gesungen und musiziert. Man bringt besondere Darreichungen mit, die man den Eltern der Braut überreicht. Es ist nicht unüblich, dass die Verlobung am Morgen des Hochzeitstages stattfindet. Im Idealfall erreicht die Hochzeitsgesellschaft das Haus der Braut um 9:09 Uhr morgens (die 9 ist auch hier wieder eine Glückszahl).

In neueren Zeiten (oder in den großen Städten) kann eine Verlobung aber auch durchaus nach westlichem Vorbild ablaufen. Nach dem Heiratsantrag verbringt man zunächst als Verlobte eine Zeit zusammen, bevor die eigentliche Hochzeit stattfindet.

Die Hochzeitsprozession

Die gesamte Hochzeitsgesellschaft läuft gemeinsam zum eigentlichen Ort der Hochzeit. Feiert man in einem Hotel oder in der Stadt, trifft man sich zumeist erst vor dem Haus und geht dann gemeinsam hinein. Dabei werden Blumen, Früchte, Süßigkeiten, grüne Erbsen, schwarzer Sesam, Gold- und Silbertaler, Betelnussblätter und andere Symbole auf Tabletts getragen.

Die „Tore“ für den Bräutigam

Der Weg des Bräutigams zu seiner Braut wird durch verschiedene „Tore“ blockiert – meist einem rosa-goldenen Tor, einem silbernem Tor und einem rein goldenen Tor. Diese Tore oder Schranken bestehen meist aus entsprechend-farbenen Ketten, die von Freunden (oft auch den Kindern) hochgehalten werden. Um an diesen Toren vorbeizukommen, muss der Bräutigam entweder eine kleinen Obolus entrichten, etwas aufführen, laut herausrufen, dass der die Braut liebt oder aber ein kleines Lied singen – erst dann wird er zu seiner Liebsten durchgelassen.

Die Braut entgegennehmen

Nachdem der Bräutigam alle Tore und Aufgaben durchlaufen hat, darf er den Hauptraum betreten. Hier wartet er, bis die Brauteltern ihre Tochter aus einem separaten Zimmer bringen, um sie dem Bräutigam zu übergeben.

Das Präsentieren der Mitgift

Nun, wo das Paar vereint ist, ist es an der Zeit den Brauteltern (die vorher vereinbarte) Mitgift zu präsentieren. Meist wird hierzu ein Tablett verwendet, auf dem die Geschenke und das Geld liegen. Wenn die Mitgift akzeptiert wird, wird alles in Seide eingepackt und der Mutter der Braut überreicht. Um zu zeigen wie wertvoll die Mitgift ist, wird die Mutter so tun, als sei das Seidenpaket ganz besonders schwer und kaum zu tragen.

Die Verbindung

Braut und Bräutigam setzen (oder knien) sich nebeneinander hin und halten ihre Hände in einer Art Bethaltung. Dabei sitzt die Braut stets zur linken des Mannes. Ein älteres Mitglied der Familie, der eine lange und glückliche Ehe nachweisen kann, trägt ein zweiteiliges Kopfstück heran. Dieses Kopfstück aus Baumwolle besteht meist aus zwei großen Schlaufen, die mit einer Art Seil miteinander verbunden sind. Er platziert je eine Schlaufe auf den Köpfen des Brautpaares, die daraufhin über das Seil miteinander (für den Rest der Zeremonie – und symbolisch für den Rest ihres Lebens) verbunden sind. Auch das Austauschen eines Verlobungsrings ist durchaus üblich.

Die Muschel-Zeremonie

Dies ist eine der wichtigsten Riten während der gesamten Hochzeit. Nun sind die Gäste an der Reihe. Um ihre Aufwartung zu machen, kommen nach und nach alle Gäste zum Brautpaar. Dabei tragen sie eine mit Wasser gefüllte Muschel mit sich. Das Wasser wird dann über die nebeneinanderliegenden Hände des Brautpaares geschüttet, während gute Wünsche und Glücksformeln gesprochen werden.

Auch üblich ist das Anbinden kleiner bunter Fäden am jeweiligen Unterarm von Braut und Bräutigam. Diese Fäden sollen dann drei Tage lang getragen werden und Glück bringen.

Die Ehrung der Eltern (oder Ältesten)

Da da Ehren der Eltern einen besonders hohen Stellenwert in der thailändischen Gesellschaft hat, darf dies natürlich auch bei einer Hochzeit nicht vernachlässigt werden. Das Brautpaar setzt sich dazu vor ihre Eltern bzw. auch andere älteren, respektierte Mitglieder der Familie hin und bittet um Vergebung. Daraufhin nehmen die Eltern das verbindende Seil des Kopfschmucks und wickeln es um die zusammen gehaltenen Hände des Paares. Außerdem werden kleine Geschenke in Form von Geld oder einer Goldkette überreicht.

Essen und Feiern

Anschließend kann der gesellige Teil der Hochzeit beginnen. Üblicherweise werden nun alle Gäste (und dies können ganz schnell bis zu 200 Personen werden – insbesondere auf dem Land) zum Essen und Trinken eingeladen. Je nach gesellschaftlichem Status kann dies an einfachen Tischen im Garten oder in einem schicken Hotel sein. Das Essen kann von Familienmitgliedern gekocht oder einem Caterer stammen. Es wird zudem getanzt und Spiele gespielt. Gerne wird auch ein Moderator engagiert, der durch den weiteren Abend führt, Videos des Brautpaares zeigt, Spiele begleitet und vielleicht auch Karaoke (was sehr beliebt ist in Thailand) präsentiert. Auch Freunde und Familienmitglieder haben nun die Chance, etwas über Braut und Bräutigam zu sagen – ähnlich wie die Reden, die auch bei uns üblich sind. Auch das Anschneiden einer Torte kennt man in Thailand.

Das Hochzeitsbett

Eine der letzten Traditionen des Tages ist das Präsentieren des Hochzeitsbettes. Ein älteres, verheiratetes Paar begleitet die Jungvermählten ins Schlafzimmer und gibt Weisungen für eine glückliche Ehe. Oft ist das Bett im Vorfeld zudem mit Blüten und Symbolen einer zufriedenen Ehe geschmückt worden. Zu diesen Symbolen gehören:

  • ein Säckchen mit Bohnen oder Samen (Wohlstand)
  • eine Schale mit Wasser (Harmonie)
  • ein Mörser (tiefe, feste Liebe)
  • ein unreifer Kürbis (glückliche Ehe)
  • eine schlafende Katzenfigur (Gemütlichkeit Zuhause)
  • ein Hahn (frühes Aufstehen)
  • ein Stück Zuckerrohr (langes Leben)

Eigentlich besagt die Tradition, dass das Ehepaar diese Symbole für drei Tage mit im Bett haben sollte. Aber das passiert immer seltener. Nach den Erläuterungen, verlässt das ältere Ehepaar den Raum und überlässt das Bett dem jungen Glück.

Der vorbeschriebene Weg zeigt einen möglichen Ablauf. Je nach Region, Wohlstand oder Herkunft der Familien (z.B. chinesisch-stämmig) kann die Zeremonie auch deutlich anders ablaufen. Bei gemischten Ehen (ein Partner kommt z.B. aus Europa), werden auch immer öfter gerne Traditionen beider Herkunftsländer vereint und kombiniert.

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